Bei der Einschätzung interessanter Kauf- und Verkaufsmarken
von Wertpapieren weist die technische Analyse einen anderen Ansatz auf als die
Fundamentalanalyse.
Tatsächlich beruht die Fundamentalanalyse - so wie sie von
Bankanalysten, die dadurch zu Empfehlungen gelangen, praktiziert wird - im
Wesentlichen auf den finanziellen Verhältniszahlen hinsichtlich der
Fundamentaldaten einer Gesellschaft.
Auf diese Weise werden Verhältnisse, wie z. B. zwischen
Kurs und erwarteten Gewinnen, Kapitalisierung und Umsatz, Schuldenstand usw.,
untersucht. Die daraus abgeleiteten Grundsätze ermöglichen dann die Einschätzung
des mit dem Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers verbundenen Risikos.
Beispielsweise besagt ein bekannter Grundsatz, dass Wertpapieren mit einer
Verhältniszahl zwischen Kurs und dem pro Aktie erwarteten Gewinn unter 20 der
Vorzug zu geben ist; denn bei dieser Zahl handelt es sich um einen wichtigen
Schwellenwert. Genauso befindet sich eine wichtige Marke für das Verhältnis
zwischen Kapitalisierung und Umsatz bei einem Wert von etwa 2.
Nichts desto weniger kann diese Methode einige Mängel
aufweisen. Führen wir uns dazu beispielsweise den Fall der Technologiewerte
Anfang des Jahres vor Augen. Damals gab es zahlreiche Wertpapiere, deren
Verhältnis zwischen Kurs und Gewinn über 100 und zwischen Kapitalisierung und
Umsatz über 10 lag. Es stellt sich also die Frage, welche Haltung in einem
solchen Fall aus Sicht der Fundamentalanalyse einzunehmen ist. Entweder versucht
man, speziell für die "Neue Wirtschaft", neue Verhältniszahlen zu erstellen -
was eine gewisse Zeit dauern kann - oder aber man hält sich nach wie vor an die
ursprünglichen Verhältniszahlen. Dies wiederum führt dazu, dass einige
interessante Geschäftsmöglichkeiten verpasst werden.
Darüber hinaus geschieht es sehr oft, dass sich in der
Kursentwicklung nicht unbedingt die tatsächlichen Fundamentaldaten der
Gesellschaften widerspiegeln, zumal Überreaktionen, die sowohl eine Hausse als
auch eine Baisse nach sich ziehen können und mit kursrelevanten Daten kaum zu
erklären sind, gang und gäbe sind.


