Die einfachsten Tendenzindikatoren sind die so genannten
gleitenden Durchschnitte. Diese entsprechen einem anhand gleitender
Zeitintervalle errechneten Durchschnitt. Dazu wird jeden Tag der den
Durchschnitt darstellende älteste Wert - der im allgemeinen bei Börsenschluss
ermittelt wird - durch den Wert des neuen Handelstages ersetzt.
Da der Indikator die Kursentwicklung mit einer gewissen
Verspätung darstellt, weist er auch keinen prognoserelevanten Informationsgehalt
auf. Allerdings ermöglicht er die Bestimmung mehr oder weniger langfristiger
Tendenzen, deren Intensität von der Stärke der von den Durchschnittswerten
eingeschlagenen Richtung abhängt.
Trotz der Einfachheit des Indikators ist der Zeitraum,
innerhalb dessen die gleitenden Durchschnitte gemessen werden, vorsichtig
auszuwählen. Analysten z. B. bevorzugen die gleichzeitige Anwendung zweier
gleitender Durchschnitte mit sehr unterschiedlichen Zeiträumen, damit auch
mögliche Tendenzumkehrungen prognostiziert werden können. Deswegen werden
gleitende Durchschnitte von 20 und 50 Tagen sowie gelegentlich auch von 50 und
100 Tagen meist gleichermaßen berücksichtigt.
Durch eine solche gleichzeitige Verwendung können
insbesondere Kaufsignale festgelegt werden. Diese treten immer dann auf, sobald
ein kurzfristiger gleitender Durchschnitt (z. B. von 20 Tagen) einen
langfristigen gleitenden Durchschnitt kreuzt, dabei von unten kommt und sich
dann oberhalb des Durchschnitts befindet. Dies spiegelt die Tendenz eines
Wertpapiers wider, wonach seine neuesten Kurse oberhalb seiner älteren Kurse
liegen - was auf eine Hausse-Tendenz schließen lässt.
Genauso zeichnet sich ein Kaufsignal ab, sobald ein
gleitender Durchschnitt bei einer Baisse (d. h. von oben kommend), einen
längerfristigen gleitenden Durchschnitt schneidet und sich damit unterhalb des
Durchschnitts befindet.
Insgesamt betrachtet liegt der Sinn gleitender
Durchschnitte darin, bei kräftigen Marktbewegungen nicht in eine Gegentendenz
zum Markt zu verfallen.


