Berlin, 15. Mai (Reuters) - Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger erwartet nach dem überraschend starken ersten Quartal für 2008 ein Wachstum von mehr als zwei Prozent. "Die Chancen sind gut, dass es mehr als zwei Prozent werden", sagte das Mitglied des Sachverständigenrates am Donnerstag zu Reuters. Das Expertengremium geht bislang ebenso wie die führenden Wirtschaftsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten von einem Plus von knapp zwei Prozent aus. Selbst bei einer deutlichen Konjunkturverlangsamung in den kommenden Monaten seien aber mehr als zwei Prozent erreichbar, sagte Bofinger. Mit 1,5 Prozent hat das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März so stark zugelegt wie seit fast zwölf Jahren nicht mehr.
"Die deutsche Wirtschaft ist kraftvoll gestartet", sagte Bofinger. "Haupttreiber ist die Industrie." Allerdings sei das gute Ergebnis auch durch Sondereffekte zustande gekommen. So seien am Bau wegen des milden Winters die saisonüblichen Produktionsausfälle ausgeblieben. Aus steuerlichen Gründen seien zudem viele Investitionen noch Ende 2007 in Auftrag gegeben worden, die dann zu Jahresbeginn abgearbeitet wurden. Für die kommenden Quartale zeichne sich eine Konjunkturabkühlung ab. "Darauf deutet die Entwicklung der Auftragseingänge, der Exporte und der Stimmungsindikatoren hin", sagte Bofinger.
Der Wirtschaftsweise warnte deshalb die Europäische Zentralbank (EZB) davor, die Zinsen zu erhöhen und damit noch mehr Tempo aus der Konjunktur zu nehmen. Zudem lasse auch der Preisauftrieb nach. "Die Preisentwicklung hat wohl ihren Höhepunkt erreicht", sagte Bofinger. "Der Gipfel ist überschritten."
rwr/amc
Brüssel, 15. Mai (Reuters) - Die Jahresteuerung in der Euro-Zone hat im April bei 3,3 Prozent gelegen. Dies teilte das Europäische Statistikamt (Eurostat) am Donnerstag mit und bestätigte damit eine frühere Schätzung. Damit verharrte die Inflationsrate deutlich über der Marke von knapp unter zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) mittelfristig Preisstabilität gewährleistet sieht. Im Monatsvergleich stiegen die Preise in den 15 Euro-Ländern um 0,3 Prozent.
amc/rwr
Berlin, 09. Mai (Reuters) - Der Chefvolkswirt der isländischen Zentralbank hat vor Gefahren für die Wirtschaft durch die starken Wechselkursschwankungen gewarnt. Die Währung sei eher eine Quelle für Instabilität, als dass sie externe Einflüsse dämpfen könne, sagte Arnor Sighvatsson der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Freitag. "Wir bewegen uns auf sehr gefährlichem Terrain." Hauptproblem sei es, die Währung zu stabilisieren, und dafür müssten die Währungshüter Vertrauen in die isländische Krone schaffen. "Ginge das Vertrauen vollends verloren, gäbe es einen Teufelskreis mit zerstörerischer Gewalt, der die Krone weiter fallen lässt und die Inflation noch mehr anheizt."
Die Einführung des Euro würde das Wirtschaftssystem Islands vermutlich stabilisieren, sagte Sighvatsson weiter. Ein Beitritt zur Europäischen Union, was Voraussetzung dafür wäre, sei aus politischen Gründen derzeit aber nicht durchsetzbar. Island gehört seit Anfang der 90er Jahre zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).
Neben dem hohen Außenhandelsdefizit sei auch der große Finanzsektor ein Risiko für Islands Wirtschaft, sagte der Zentralbanker. Weil die Kreditinstitute den größten Teil ihrer Geschäfte in Ausland machten, habe die Notenbank hier kaum einen Einfluss. Angst vor Hedge-Fonds müsse das Land jedoch nicht haben, auch wenn diese manchmal zu Schwierigkeiten beitragen könnten. Die isländische Regierung befürchtet, dass die Fonds die Krone ins Visier genommen haben und auf einen weiteren Verfall der Währung wetten. Die Krone ist zum Euro von 82 auf 120 gefallen und gehört damit zu den prominentesten Opfern der Finanzkrise.
amc/bek
London, 08. Mai (Reuters) - Die britische Notenbank hat am Donnerstag ihren Leitzins wie an den Finanzmärkten erwartet bei fünf Prozent belassen. Das Gros der von Reuters vorab befragten Analysten hatte mit dieser Entscheidung gerechnet. Allerdings waren nach schwachen Daten aus dem Dienstleistungssektor, der rund drei Viertel der Wirtschaftsleistung des Landes ausmacht, zuletzt auch Stimmen laut geworden, die eine weitere Lockerung der Geldpolitik nicht ausgeschlossen hatten. Auch die Lage am britischen Hypothekenmarkt hatte sich in den vergangenen Wochen weiter verschlechtert.
Die Londoner Zentralbank hatte den Leitzins noch im April um einen Viertel Prozentpunkt gesenkt, um die von der Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogene Konjunktur zu stützen.
afr/sam
Frankfurt, 07. Mai (Reuters) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Slowakei nicht für Euro-reif. In ihrem am Mittwoch veröffentlichten Konvergenzreport äußerten die Frankfurter Währungshüter "erhebliche Bedenken", ob das Land das im Maastricht-Vertrag festgelegte Inflationskriterium für die Teilnahme an der Währungsunion nachhaltig einhalten kann. Zwar habe die Slowakei in den vergangen zwölf Monaten alle festgelegten Kriterien erfüllt, es blieben jedoch Zweifel, ob dies auch dauerhaft möglich sei. Die meisten internationalen Organisationen, darunter der Internationale Währungsfonds und die OECD, erwarten, dass die Slowakei bereits im kommenden Jahr die Latte für einen Euro-Beitritt wieder reißen wird.
In dem Bericht bemängelt die EZB auch, dass die Regierung in Bratislava die Haushaltskonsolidierung nicht ehrgeizig genug vorangetrieben habe. Zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und zur Liberalisierung der Wirtschaft, insbesondere im Bereich der Energieversorgung, seien ebenfalls weitere strukturelle Reformen nötig.
Die EZB hegt schon länger Zweifel an der Euro-Reife der Slowakei. Bereits im vergangenen Jahr hatten sich in einem internen Bericht der Notenbank skeptische Töne zur Frage gefunden, ob es dem Land gelingen werde die Inflation dauerhaft unter Kontrolle zu bringen. Die Slowakei hatte Anfang April die Aufnahme in die Währungsunion beantragt. Endgültig entscheidet darüber der Rat der EU-Finanzminister im Juli.
Die EU-Kommission in Brüssel wollte parallel zur EZB ebenfalls am Mittwoch ihren Bericht über die Fortschritte in den zehn EU-Beitrittsländern vorlegen. Im Gegensatz zur EZB wird sie auch eine konkrete Empfehlung abgeben, ob sie die Slowakei für reif für die Teilnahme an der Währungsunion hält.
afr/dry
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