Berlin, 24. Mai (Reuters) - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Inflation in der Eurozone nach Einschätzung ihres Vize-Präsidenten kurzfristig nicht unter zwei Prozent bringen können. Die Währungshüter blieben ihrem Ziel der Preisstabilität aber dennoch verpflichtet, sagte Lucas Papademos der griechischen Zeitung "Ta Nea" (Samstagausgabe), wie aus einem von der EZB vorab veröffentlichten Interview-Manuskript hervorging.
Wegen des starken Anstiegs bei den Energie- und Lebensmittelpreisen sei zu erwarten, dass die Teuerungsrate in den kommenden Monaten eher weiter nahe der Drei-Prozent-Marke liegen werde, sagte Papademos dem Blatt. Erst später in diesem Jahr sei dann mit einem Rückgang zu rechnen; die angestrebte Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent sei mittelfristig machbar, fügte er an. Der seit fast einem Jahr unveränderte Leitzins von vier Prozent werde dazu beitragen.
An die Staaten der Eurozone appellierte Papademos, selbst einen Beitrag zur Preisstabilität zu leisten. Dies könne durch solide Haushaltsplanungen und Wirtschaftsreformen geschehen. Keinesfalls dürfe es eine automatische Anpassung der Löhne an die Inflationsentwicklung geben, warnte er.
Die Teuerungsrate im Euro-Raum hatte im März mit 3,6 Prozent den höchsten Stand seit Beginn der Währungsunion erreicht. Im April ging die Inflationsrate nur leicht zurück auf 3,3 Prozent.
kat
Berlin, 22. Mai (Reuters) - Die Wirtschaft der Euro-Länder wird nach Einschätzung von Ökonomen in diesem Jahr stärker wachsen als bislang angenommen. Die mehr als 80 von Reuters befragten Experten rechnen nun im Durchschnitt mit einem Plus von 1,7 Prozent. Bislang waren sie von 1,5 Prozent ausgegangen. Damit wurde erstmals seit Juni 2007 die Prognose angehoben, ergab die am Donnerstag abgeschlossene Befragung. Als Grund dafür gilt das robuste Wachstum im ersten Quartal, das mit 0,7 Prozent überraschend stark ausfiel.
Wegen der guten Konjunktur rechnen die Experten in diesem Jahr nur noch mit einer Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB). Sie dürfte den Leitzins im vierten Quartal von derzeit 4,0 auf 3,75 Prozent zurücknehmen. Anfang 2009 werde er dann bei 3,5 Prozent liegen und auf diesem Niveau vorerst verharren.
rwr/bek
Berlin, 22. Mai (Reuters) - Außenhandelspräsident Anton Börner erwartet noch in diesem Jahr einen Ölpreis von 150 Dollar je Barrel, aber keine gravierenden Schäden für die deutsche Konjunktur. "Ich sehe die Grenze bei 150 Dollar", sagte Börner am Donnerstag in einem Reuters-Interview. Das werde noch vor dem Winter der Fall sein. 2009 oder 2010 werde der Ölpreis aber deutlich in Richtung 100 Dollar fallen.
Die deutsche Konjunktur werde der Ölpreis aber nicht abwürgen. Das Wirtschaftswachstum werde mit über 1,7 Prozent in diesem und 1,4 bis 1,5 Prozent im nächsten Jahr über seinen bisherigen Erwartungen liegen werden. Zum Exportwachstum sagte der Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel: "Wir haben die Chance, über die fünf Prozent zu kommen. Wenn es gut läuft, schaffen wir vielleicht die sechs oder die 6,5 Prozent."
Allerdings rechnet Börner auch in absehbarer Zukunft mit steigenden Inflationsraten und Zinsen. "Die Zeit des Dollar-Kursverfalls ist vorbei", sagte er weiter. "Das gilt auch seit längerem schon für die Zinsen." Er sehe vielmehr ab dem Jahreswechsel in den USA wie in Europa steigenden Leitzinsen mit dann auch deutlich höheren langfristigen Marktzinsen.
hel/rwr
- von Christian Krämer -
München, 21. Mai (Reuters) - Der private Konsum sollte nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts die deutsche Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf zunehmend stützen. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen schätze der Einzelhandel seine Lage derzeit verhalten optimistisch ein, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger am Mittwoch in einem Interview mit Reuters. "Der Knoten ist noch nicht geplatzt. Im Jahresverlauf sollte der Konsum aber moderat anziehen. Einen Konsumrausch wird es gleichwohl nicht geben." Vor allem Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln und für Energie dämpfen den Verbrauch noch. Hier werde der Preisdruck auch künftig hoch sein.
Der an den Börsen viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Mai überraschend auf 103,5 von 102,4 Punkten im April. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem leichten Rückgang auf 102,0 Punkte gerechnet.
Nach dem starken Wachstum zu Jahresbeginn wird das Ifo-Institut seine bisherige Konjunkturprognose von 1,6 Prozent im Juni anheben. Im ersten Quartal war das BIP zum Vorquartal um 1,5 Prozent gestiegen und damit so kräftig wie seit fast zwölf Jahren nicht mehr. Im April und Mai zeige sich "ein Dämpfer, jedoch kein Einbruch", so Abberger.
Die Finanzkrise, die zahlreiche Banken zu Jahresbeginn wegen hoher Abschreibungen in die Verlustzone gedrückt hat, behindert die deutschen Unternehmen insgesamt kaum: Große negative Effekte bei der Finanzierung von Unternehmen gebe es nicht, so Abberger. Die Optimisten würden zudem überwiegen. Viele Firmen rechnen mit einer Entspannung in den nächsten Monaten.
Der Europäischen Zentralbank (EZB) legte Abberger nahe, die Leitzinsen vorerst bei 4,0 Prozent zu lassen. "Ein Zinsschritt ist nicht notwendig", sagte der Ifo-Experte. Der hohe Wechselkurs des Euro<EUR=> zum Dollar laste weiter auf der Ertragslage der Firmen. "Die Exporterwartungen sind aber noch gut."
chk/rwr
München, 21. Mai (Reuters) - Der private Konsum sollte nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts die deutsche Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf zunehmend stützen. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen schätze der Einzelhandel seine Lage derzeit verhalten optimistisch ein, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger am Mittwoch in einem Interview mit Reuters. "Der Knoten ist noch nicht geplatzt. Im Jahresverlauf sollte der Konsum aber moderat anziehen. Einen Konsumrausch wird es gleichwohl nicht geben."
Der an den Börsen viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Mai auf 103,5 von 102,4 Punkten im April. Von Reuters befragte Ökonomen hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 102,0 Punkte gerechnet.
chk/kps
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