Berlin, 24. Mai (Reuters) - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Inflation in der Eurozone nach Einschätzung ihres Vize-Präsidenten kurzfristig nicht unter zwei Prozent bringen können. Die Währungshüter blieben ihrem Ziel der Preisstabilität aber dennoch verpflichtet, sagte Lucas Papademos der griechischen Zeitung "Ta Nea" (Samstagausgabe), wie aus einem von der EZB vorab veröffentlichten Interview-Manuskript hervorging.
Wegen des starken Anstiegs bei den Energie- und Lebensmittelpreisen sei zu erwarten, dass die Teuerungsrate in den kommenden Monaten eher weiter nahe der Drei-Prozent-Marke liegen werde, sagte Papademos dem Blatt. Erst später in diesem Jahr sei dann mit einem Rückgang zu rechnen; die angestrebte Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent sei mittelfristig machbar, fügte er an. Der seit fast einem Jahr unveränderte Leitzins von vier Prozent werde dazu beitragen.
An die Staaten der Eurozone appellierte Papademos, selbst einen Beitrag zur Preisstabilität zu leisten. Dies könne durch solide Haushaltsplanungen und Wirtschaftsreformen geschehen. Keinesfalls dürfe es eine automatische Anpassung der Löhne an die Inflationsentwicklung geben, warnte er.
Die Teuerungsrate im Euro-Raum hatte im März mit 3,6 Prozent den höchsten Stand seit Beginn der Währungsunion erreicht. Im April ging die Inflationsrate nur leicht zurück auf 3,3 Prozent.
kat
Zürich, 23. Mai (Reuters) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat zum ersten Mal signalisiert, dass sie einer Bank im Falle einer schweren, das System bedrohenden Krise beistehen würde.
In einem solchen ausserordentlichen Fall könnte eine Notenbank für begrenzte Zeit Aktiva von privaten Banken übernehmen und einem Institut so helfen, seine Bilanz zu bereinigen, sagte SNB-Präsident Jean Pierre Roth am Freitag in einer Rede auf einem Seminar in Genf laut Redetext.
"In ausserordentlichen Fällen und mit der Zustimmung der politischen Behörden könnten sie (Notenbanken) gezwungen sein, Bilanzpositionen des Privatsektors für eine begrenzte Zeit auf die eigenen Bücher zu nehmen", erklärte Roth.
Roth skizzierte damit einen Weg, den die Bank von England und auch die amerikanische Notenbank Fed im Verlauf der Kreditkrise bereits eingeschlagen haben.
In der Schweiz mussten die beiden systemrelevanten Grossbanken UBS mit knapp 40 Milliarden Franken und Credit Suisse mit grössenordnungsmässig zehn Milliarden Franken ebenfalls Abschreibungen vornehmen.
Mit ihrer soliden Ausstattung mit Kapital und Reserven könne die SNB Risiken übernehmen, wenn die Finanzstabilität im Lande bedroht sei, sagte Roth weiter. In Krisenzeiten sei die Bewahrung der Systemstabilität weitaus wichtiger als etwa ein Ertragsziel der Notenbank.
Allerdings wolle keine Notenbank in den Verdacht kommen, dass sie zu der Sozialisierung von Verlusten des Privatsektors Hand bieten wolle. Und sie müsse auch darauf achten, dass sie mit ihren Massnahmen - einschliesslich möglicher Liquiditätsspritzen - nicht die Inflation anheize.
Die SNB unterstütze die Bestrebungen der Bankenaufsicht EBK für eine bessere Kapitalausstattung der Banken als Puffer gegen mögliche Verluste, sagte Roth weiter.
Am Donnerstag hat UBS ihre zweite Kapitalerhöhung in diesem Jahr eingeleitet, die der Bank mehr als 15 Milliarden Franken neues Kapital bringen soll aber auch mit einer kräftigen Verwässerung verbunden ist.
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Berlin, 22. Mai (Reuters) - Die Wirtschaft der Euro-Länder wird nach Einschätzung von Ökonomen in diesem Jahr stärker wachsen als bislang angenommen. Die mehr als 80 von Reuters befragten Experten rechnen nun im Durchschnitt mit einem Plus von 1,7 Prozent. Bislang waren sie von 1,5 Prozent ausgegangen. Damit wurde erstmals seit Juni 2007 die Prognose angehoben, ergab die am Donnerstag abgeschlossene Befragung. Als Grund dafür gilt das robuste Wachstum im ersten Quartal, das mit 0,7 Prozent überraschend stark ausfiel.
Wegen der guten Konjunktur rechnen die Experten in diesem Jahr nur noch mit einer Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB). Sie dürfte den Leitzins im vierten Quartal von derzeit 4,0 auf 3,75 Prozent zurücknehmen. Anfang 2009 werde er dann bei 3,5 Prozent liegen und auf diesem Niveau vorerst verharren.
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Washington, 21. Mai (Reuters) - Die US-Notenbank Fed hat ihre Wachstumsprognose trotz des guten Auftaktquartals nach unten geschraubt und ein vorläufiges Ende ihrer Zinssenkungspolitik signalisiert. Die Wachstumserwartung liege nun bei einem Zuwachs von 0,3 bis 1,2 Prozent, teilte die Fed in ihrer am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturvorhersage mit, die einmal im Quartal vorgelegt wird. Zuvor hatte die Notenbank noch mit Zuwächsen von 1,3 bis 2,0 Prozent gerechnet.
Zudem haben mehrere Notenbanker bei der jüngsten Zinssitzung Ende April eine weitere Lockerung der Zinspolitik als Reaktion auf eine schwächere Konjunktur als wahrscheinlich nicht angemessen bezeichnet. Wie aus den Sitzungsprotokollen hervorgeht, gilt diese Einschätzung auch für den Fall, dass es in naher Zukunft zu einem leichten Schrumpfen der Wirtschaft kommen sollte.
Die Federal Reserve hatte am 30. April ihren Leitzins von 2,25 auf 2,0 Prozent abgesenkt, um die schwächelnde Konjunktur mit billigerem Geld zu stützen. Trotz der Finanzkrise hatte die US-Wirtschaft zu Jahresbeginn kein Tempo verloren und damit vorerst Rezessionsängste gebannt. Die Wirtschaft wuchs im ersten Quartal mit 0,6 Prozent so stark wie Ende vorigen Jahres.
bek/kat
München, 21. Mai (Reuters) - Der private Konsum sollte nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts die deutsche Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf zunehmend stützen. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen schätze der Einzelhandel seine Lage derzeit verhalten optimistisch ein, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger am Mittwoch in einem Interview mit Reuters. "Der Knoten ist noch nicht geplatzt. Im Jahresverlauf sollte der Konsum aber moderat anziehen. Einen Konsumrausch wird es gleichwohl nicht geben."
Der an den Börsen viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Mai auf 103,5 von 102,4 Punkten im April. Von Reuters befragte Ökonomen hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 102,0 Punkte gerechnet.
chk/kps
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