- von Christina Amann -
Berlin, 23. Mai (Reuters) - Silvio Berlusconi kann sich über ein überraschend starkes Wachstum in Italien freuen - mit 0,4 Prozent legte die Wirtschaft des Landes doppelt so stark zu wie erwartet. Dennoch rangiert das Land in der Euro-Zone nur auf den hinteren Plätzen. Mit einem mageren Anstieg um 0,2 Prozent im Jahresvergleich ist Italien nicht mehr weit von einer Stagnation entfernt. Der starke Euro macht dabei der Wirtschaft schwer zu schaffen. Experten werfen den Regierungen des Landes vor, längst überfällige Reformen versäumt und so Bella Italia an den Rand der Rezession getrieben zu haben. Auf Regierungschef Berlusconi kommt damit in seiner dritten Amtszeit eine schwierige Aufgabe zu.
2007 hatte die Wirtschaft noch 1,5 Prozent zugelegt, für das vierte Quartal meldeten die Statistiker aber einen Rückgang. Und eine Belebung ist nicht in Sicht. Wirtschaftsminister Giulio Tremonti warnte kürzlich davor, dass die italienische Wirtschaft in diesem Jahr stagniert. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnete zuletzt immerhin mit Zuwächsen von 0,3 Prozent auf Jahressicht - in keinem anderen Land der Euro-Zone wäre dann das Wachstum schwächer.
Die Abkühlung kommt nicht überraschend. Bereits seit Jahren sind die Zuwachsraten deutlich geringer als in der Euro-Zone, die im ersten Quartal um 0,7 Prozent zulegte. "Italien ist am Rande des Wachstums herumgedümpelt, und wenn es weiter nach unten geht, ist man schnell bei einer Rezession", sagte Konjunkturexperte Sebastian Wanke von der Deka-Bank. Das macht sich auch in den Geschäftsaussichten der deutschen Unternehmen bemerkbar. Nach Frankreich, den USA und Großbritannien ist Italien für die deutsche Wirtschaft das viertwichtigste Exportziel. "Eine Wachstumsschwäche in einem Staat der Euro-Zone hat größere Auswirkungen als etwa in einem Schwellenland", sagte Außenhandelsexperte Jens Nagel vom Großhandelsverband BGA. Allerdings laufe das Geschäft für die deutschen Firmen noch robust, mit einem Einbruch der Exporte sei nicht zu rechnen.
STRUKTURELLE SCHWÄCHEN DER WIRTSCHAFT
Wie kaum ein anderes Land hat Italien mit dem starken Euro zu kämpfen. Schuld daran ist - unter anderem - auch die Politik. Denn in den vergangenen Jahren wurden viele Reformen versäumt, auch weil viele Regierungen nur kurz an der Macht waren und zugunsten ihrer eigenen Popularität schmerzhafte Einschnitte etwa in die Sozialsysteme unterließen, wie Deka-Experte Mauro Toldo sagte. "Auch in der Bevölkerung besteht dazu eine geringe Bereitschaft", fügte er an. Bei der Wettbewerbsfähigkeit kam Italien so im Vergleich zu anderen Staaten ins Hintertreffen, bei der Produktivität ist das Land etwa Schlusslicht innerhalb der OECD. Nun sollen manche Steuern gesenkt und die ausufernde Bürokratie abgebaut werden - ob diese Schritte der Regierung Berlusconis ausreichen, ist offen.
Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält eine weitere Deregulierung und eine Stärkung des Wettbewerbs für dringend notwendig. Berlusconi habe aber zuletzt bei Alitalia<AZPIa.MI> unter Beweis gestellt, dass die Politik nicht unbedingt gegen einen zu hohen Einfluss des Staates ankämpfen wolle. Der Regierungschef will, dass die angeschlagene Fluggesellschaft in italienischer Hand bleibt, hat aber bisher keinen Interessenten gefunden. Konkurrent Air France-KLM<AIRF.PA> sprang im letzten Augenblick ab.
Dazu kommt, dass die Wirtschaft viele Standardgüter produziert und deswegen der Konkurrenz aus Schwellenländern besonders stark ausgesetzt ist. So verdrängen etwa billige Schuhe und Textilien aus Fernost viele italienische Produkte. Nur in wenigen Nischen, wie etwa in der Luxus-Modeindustrie, habe Italien eine Monopolstellung und könne sich behaupten, sagte Dreger. Vor der Euro-Einführung habe Italien einige Fortschritte etwa beim Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit gemacht, sagte er weiter. Doch der Reformprozess sei nach der Jahrtausendwende zum Erliegen gekommen. Deka-Experte Wanke weist allerdings darauf hin, dass gezielt die Lira abgewertet wurde, um der Wirtschaft beim Export zu Vorteilen zu verhelfen. Diese Möglichkeit habe die italienische Regierung mit der Einheitswährung nun nicht mehr.
Immerhin in einer Sparte der italienischen Wirtschaft brummt das Geschäft: Bei der Mafia. Inzwischen kommt die 'Ndrangheta, die von Süditalien aus operiert und Geld mit Drogen und Prostitution macht, einer Studie zufolge auf einen Anteil von knapp drei Prozent der Wirtschaft. Mit einer flachen Hierarchie gleiche das Verbrechersyndikat einer Holding, sagen die Eurispes-Forscher - und sei damit bestens für die Globalisierung gerüstet.
amc/bek
Paris, 28. Apr (Reuters) - Telecom Italia<TLIT.MI> kann einem Bericht zufolge bis Dienstag mit einigen Kaufangeboten für ihre französische Alice-Sparte rechnen. Wie die Zeitung "Le Figaro" am Montag berichtete, könnten die Italiener durch den Verkauf zwischen 700 Millionen und einer Milliarde Euro erlösen. Interessiert sind demnach der französische Breitbandanbieter Free<ILD.PA>, das Telekomunternehmen Neuf Cegetel<NEUF.PA> und die private Kabelfirma Numericable. Telecom Italia lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.
Unter dem Markennamen Alice bietet Telecom Italia auch in Deutschland Festnetz- sowie DSL-Anschlüsse und Mobilfunkverträge an.
nib/bob