Neu-Delhi, 23. Mai (Reuters) - Indien sieht sich angesichts explodierender Rohölkosten dazu gezwungen, die vom Staat stark subventionierten Treibstoffpreise anzuheben. Dies müsse sofort geschehen, damit die heimischen Ölkonzerne gerettet würden, sagte Ölminister Murli Deora am Freitag vor Journalisten. Die staatlichen Raffinerien machen pro Tag Verluste von zusammen mehr als 128 Millionen Dollar. Indien hält den Preis für Treibstoff durch staatliche Unterstützung bisher künstlich niedrig, um die Inflation einzudämmen und Hunderte Millionen Arme vor Preisschocks zu bewahren.
Ein Vertreter des Ölministeriums sagte, Preiserhöhungen seien unausweichlich. Ölminister Deora erklärte, eine Entscheidung könne bis zu einer Woche dauern. Der Rohölpreis von zuletzt mehr als 135 Dollar je Barrel belastet die Verbraucher weltweit. China hatte am Donnerstag Gerüchte zurückgewiesen, wonach die staatliche Preiskontrolle aufgegeben werden sollte.
An der Börse in Bombay legten die Aktien des staatlichen Ölkonzerns Indian Oil<IOC.BO> 3,6 Prozent zu. Hindustan Petroleum<HPCL.BO> gewannen 4,6 Prozent und Bharat Petroleum<BPCL.BO> stieg sogar um bis zu 5,2 Prozent.
ahl/rbo
(Wiederholung vom Vorabend)
Washington, 22. Mai (Reuters) - US-Finanzminister Henry Paulson macht eine weltweit steigende Nachfrage bei knappem Angebot für die Ölpreis-Rekorde verantwortlich. Marktspekulationen seien nicht die Ursache dafür, erklärte er am Donnerstag in einem Interview des US-Kabelsenders CNBC. "Noch einmal, ich glaube nicht, dass es hier um Finanzinvestoren geht", sagte Paulson. "Ich glaube, es geht um Angebot und Nachfrage auf lange Sicht." Die USA drängen die Opec-Länder, die Ölförderung zu erhöhen. Das Kartell weist dies mit dem Hinweis auf den preissteigernden Einfluss von Marktspekulationen zurück.
Der Finanzminister bekräftigte zugleich, dass die Fundamentaldaten der größten Volkswirtschaft stark seien. Diese langfristige Stärke werde sich auch in der Bewertung der Währung niederschlagen. "Wir betreiben eine Politik des starken Dollars", sagte er. Er räumte zwar ein, dass sich die USA derzeit auf einem harten Stück des Wegs befänden. Die Politik werde aber das Vertrauen in die US-Wirtschaft vergrößern.
ang/mit
Washington, 22. Mai (Reuters) - US-Finanzminister Henry Paulson macht eine weltweit steigende Nachfrage bei knappem Angebot für die Ölpreis-Rekorde verantwortlich. Marktspekulationen seien nicht die Ursache dafür, erklärte er am Donnerstag in einem Interview des US-Kabelsenders CNBC. "Noch einmal, ich glaube nicht, dass es hier um Finanzinvestoren geht", sagte Paulson. "Ich glaube, es geht um Angebot und Nachfrage auf lange Sicht." Die USA drängen die Opec-Länder, die Ölförderung zu erhöhen. Das Kartell weist dies mit dem Hinweis auf den preissteigernden Einfluss von Marktspekulationen zurück.
Der Finanzminister bekräftigte zugleich, dass die Fundamentaldaten der größten Volkswirtschaft stark seien. Diese langfristige Stärke werde sich auch in der Bewertung der Währung niederschlagen. "Wir betreiben eine Politik des starken Dollars", sagte er. Er räumte zwar ein, dass sich die USA derzeit auf einem harten Stück des Wegs befänden. Die Politik werde aber das Vertrauen in die US-Wirtschaft vergrößern.
ang/mit
Quito, 22. Mai (Reuters) - Trotz des Drucks auf die Verbraucherpreise hat Opec-Generalsekretär Abdullah al-Badri eine Steigerung der Öl-Fördermengen abgelehnt. Die Organisation Erdöl fördernder Länder sei bereit zu handeln, könne im derzeitigen "verrückten Markt" aber nichts tun, sagte Badri am Donnerstag der Agentur Reuters bei einem Besuch in Ecuador. Die Ölpreise würden auch bei einer höheren Fördermenge vorläufig nicht zurückgehen.
"Auch wenn wir die Produktion morgen erhöhen, werden die Preise wegen Spekulationsgeschäften und der Dollarschwäche nicht sinken", sagte der Kartell-Chef. "Sollten wir eine Rohöl-Verknappung sehen, werden wir handeln." Es gebe auch keinen Bedarf für vorzeitiges Opec-Treffen. Der Ölpreis<CLc1><LCOc1> hatte am Donnerstag mit 135 Dollar je Fass die nächste Schallmauer durchbrochen.
Länder mit einem großen Ölverbrauch wie die USA hatten die Opec aufgefordert, die Förderung zu steigern. Die US-Regierung macht ein knappes Angebot für die Rekordpreise verantwortlich. Die nächste reguläre Sitzung des Ölkartells findet im September statt. Ecuador ist Opec-Mitglied.
mit/ang
- von Christina Amann und Gernot Heller -
Berlin, 22. Mai (Reuters) - Der explodierende Ölpreis<CLc1><LCOc1> wird immer mehr zur Belastungsprobe für die deutsche Wirtschaft. Er durchbrach am Donnerstag mit 135 Dollar eine weitere Schallmauer und schnellte damit binnen 24 Stunden um mehr als fünf Dollar nach oben. Wirtschaftsvertreter und Experten erwarteten zwar nicht, dass der hohe Ölpreis die deutsche Konjunktur abwürgen könnten. Allerdings dürfte der Konsum unter den immer weiter steigenden Spritpreisen leiden. Autofahrer mussten zuletzt je Liter Benzin oder Diesel etwa 1,52 Euro zahlen und ließen damit mehr Geld an den Tankstellen als je zuvor. "Der Staat muss etwas tun: wir brauchen dringend Steuererleichterungen", forderte Außenhandelspräsident Anton Börner.
BDI-Volkswirt Reinhard Kudiß mahnte: "Wir können uns natürlich nicht jeden Tag weitere fünf Dollar beim Ölpreis leisten." Experten waren sich aber einig, dass die Gefahr eines Einbruchs der deutschen Konjunktur nicht besteht. Börner sieht gar trotz der jüngsten Ölpreisrekorde die Perspektiven für das deutschen Wirtschaftswachstum und die Exportentwicklung noch etwas günstiger als bisher.
Eine milliardenschwere Sonderkonjunktur bringen die explodierenden Ölpreise Schienenunternehmen wie der Deutschen Bahn, der Solarbranche oder vielen Exporteuren. "Es rechnet sich zunehmend, auf die Schiene umzusteigen", sagte Dirk Flege, Geschäftsführer der "Allianz pro Schiene". Besonders der Güterverkehr werde gewinnen. Auch der Bundesverband Solarwirtschaft verzeichnet ein massiv steigendes Interesse an Sonnenenergie. Verbraucher suchten zunehmend nach bezahlbaren Alternativen zum Öl, sagte Verbandspräsident Carsten Körnig. Exporteure profitieren wiederum von den höheren Einnahmen der Ölförderländer etwa im Nahen Osten, die besonders viele Investitionsgüter in Deutschland kaufen.
Die Frage, inwiefern der Preisanstieg beim "schwarzen Gold" die Politik zum Gegensteuern veranlassen sollte, ist in der Wirtschaft strittig. "Ich glaube, international kann man gar nichts zur Bekämpfung des Ölpreisanstiegs tun", sagte Börner zu Reuters. Die Fraktionsvize der Grünen, Bärbel Höhn, hatte einen Krisengipfel ins Gespräch gebracht, um dem Preisanstieg und seinen Folgen zu begegnen.
National forderte Börner von der Regierung schnelles Handeln. Steuererleichterungen seien nötig, um den Belastungen des Konsums durch hohe Sprit- und Energiepreise entgegenzuwirken und den Konsum zu stützen. Der Staat müsse Extragewinne aus dieser Entwicklung an die Bürger zurückgeben. DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier dagegen plädierte dafür, Forderungen nach Steuererleichterungen unabhängig von der Entwicklung des Ölpreises zu behandeln.
ANSTIEG HAT SICH VERSELBSTÄNDIGT
Marktexperten sehen in dem Preisanstieg eine sich verselbständigende Entwicklung. "Der Ölpreis steigt, weil er steigt, weil er steigt...", sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Eine Obergrenze sei nicht in Sicht. In der Spitze kostete ein Fass leichtes US-Öl 135,09 Dollar, die in Europa führende Nordseesorte Brent<LCOc1> verteuerte sich auf 135,14 Dollar. Das ist das zehnte Rekordhoch in den vergangenen 14 Handelstagen. Uneins sind sich die Experten in der Wirtschaft, wie sich der Ölpreis weiter entwickelt. Börner rechnet zunächst bis Herbst mit einem Anstieg auf etwa 150 Dollar, ehe es dann im nächsten oder übernächsten Jahr in Richtung 100 Dollar gehen werde. Dagegen hält Treier "das Ende der Fahnenstange" für nahe.
Die steigende Nachfrage unter anderem aus China und Indien kann dabei immer weniger durch eine höhere Förderung ausgeglichen werden. Eine Studie der "Energy Watch Group" zufolge ist die Welt am Fördermaximum oder hat es bereits überschritten. "Bis 2030 wird sich die weltweite Ölförderung halbieren", sagte Energieexperte Werner Zittel am Mittwoch. Die Internationale Energieagentur (IEA) überschätze die Ölreserven.
hel/amc/cal
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