(Korrigiert Tippfehler "Simbabwe" im zweiten Satz)
Kapstadt, 23. Mai (Reuters) - Die Hetzjagd gegen illegale Einwanderer im WM-Gastgeberland Südafrika hat nun auch die Touristenhochburg Kapstadt erreicht. Wütende Einheimische griffen nach Angaben der Polizei vom Freitag Immigranten aus Somalia und Simbabwe an und brannten deren Häuser und Geschäfte nieder. Hunderte Afrikaner aus einer illegalen Siedlung in der zweitgrößten Stadt des Landes wurden in Sicherheit gebracht. Die Behörden warnten vor weiterer Gewalt am Wochenende und wollen notfalls das Militär anfordern. Das Auswärtige Amt riet dringend selbst vor begleiteten Führungen in betroffene Gegenden ab.
Die Unruhen waren vor zwölf Tagen in den Elendsvierteln von Johannesburg ausgebrochen und haben sich auf andere Provinzen ausgebreitet. Mindestens 42 Menschen sind dabei bislang getötet worden, mehr als 25.000 - überwiegend Flüchtlinge aus Simbabwe, Mosambik und Malawi - haben in Notunterkünften Schutz gesucht. Viele Südafrikaner werfen den Einwanderern vor, ihnen Jobs wegzunehmen und für steigende Kriminalitätsraten verantwortlich zu sein. Beobachter verwiesen mit Blick auf den Ärger unter den Einheimischen aber auch auf die zahlreichen Stromausfälle im Land und auf die wirtschaftsfreundliche Politik der Regierung, die zu steigenden Lebensmittel- und Benzin-Preisen geführt hat.
Auch in der Nacht zum Freitag kam ein Somalier ums Leben. Es war aber unklar ist, ob sein Tod mit Übergriffen zusammenhängt. Bereits am Donnerstag waren in einem Elendsviertel Johannesburgs Hubschrauber der Luftwaffe gelandet, um die Polizei im Kampf gegen Gewalt zu unterstützen. Zuvor hatte Präsident Thabo Mbeki dem Militär-Einsatz zugestimmt. Auch in Knysna, einem Badeort an der Südwestküste, wurden nach Angaben der Polizei vom Freitag zahlreiche somalische Geschäfte geplündert und angezündet.
Experten gehen inzwischen davon aus, dass Afrikas größte Wirtschaftsmacht durch die Übergriffe ernsthaft gefährdet ist. Die Tourismusindustrie ist besorgt, westliche Ausländer könnten Südafrika meiden. 2007 kamen 7,4 Millionen Touristen ins Land, 2010 sollen es zehn Millionen sein. Eine Million Südafrikaner verdienen ihren Lebensunterhalt durch Touristen und der Bereich trägt mit rund acht Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei. Reiseveranstalter berichten nun aber über Stornierungen verängstigter Kunden und mehrere Länder gaben Reisewarnungen aus. Das Auswärtige Amt erklärte, angesichts der massiven gewaltsamen Übergriffe werde gegenwärtig "dringend davon abgeraten, sich eigenständig oder im Rahmen von begleitenden Führungen in die betroffenen Gebiete zu begeben".
Der Cheforganisator der Fußball-WM 2010 in Südafrika, Danny Jordaan, forderte ein hartes Durchgreifen. Es müsse alles getan werden, um zu verhindern, das Vertriebene nochmals vertrieben würden. Er sei aber zuversichtlich, dass das Problem bald gelöst sei. "Südafrikaner sind nicht ausländerfeindlich."
Das Land mit seiner boomenden Wirtschaft zog bislang viele Afrikaner in der Hoffnung auf Arbeit magisch an. Zudem ist die Einwanderungs- und Asylpolitik eine der liberalsten auf dem Kontinent. Dieser Ruf ist nun in Gefahr. So sind in den letzten Tagen rund 13.000 Mosambikaner zurück in ihre Heimat geflohen. In Südafrika mit seinen 50 Millionen Einwohnern leben fünf Millionen Einwanderer, davon drei Millionen aus Simbabwe.
rbo/sws
Kapstadt, 23. Mai (Reuters) - Die Hetzjagd gegen illegale Einwanderer im WM-Gastgeberland Südafrika hat nun auch die Touristenhochburg Kapstadt erreicht. Wütende Einheimische griffen nach Angaben der Polizei vom Freitag Immigranten aus Somalia und Zimbabwe an und brannten deren Häuser und Geschäfte nieder. Hunderte Afrikaner aus einer illegalen Siedlung in der zweitgrößten Stadt des Landes wurden in Sicherheit gebracht. Die Behörden warnten vor weiterer Gewalt am Wochenende und wollen notfalls das Militär anfordern. Das Auswärtige Amt riet dringend selbst vor begleiteten Führungen in betroffene Gegenden ab.
Die Unruhen waren vor zwölf Tagen in den Elendsvierteln von Johannesburg ausgebrochen und haben sich auf andere Provinzen ausgebreitet. Mindestens 42 Menschen sind dabei bislang getötet worden, mehr als 25.000 - überwiegend Flüchtlinge aus Simbabwe, Mosambik und Malawi - haben in Notunterkünften Schutz gesucht. Viele Südafrikaner werfen den Einwanderern vor, ihnen Jobs wegzunehmen und für steigende Kriminalitätsraten verantwortlich zu sein. Beobachter verwiesen mit Blick auf den Ärger unter den Einheimischen aber auch auf die zahlreichen Stromausfälle im Land und auf die wirtschaftsfreundliche Politik der Regierung, die zu steigenden Lebensmittel- und Benzin-Preisen geführt hat.
Auch in der Nacht zum Freitag kam ein Somalier ums Leben. Es war aber unklar ist, ob sein Tod mit Übergriffen zusammenhängt. Bereits am Donnerstag waren in einem Elendsviertel Johannesburgs Hubschrauber der Luftwaffe gelandet, um die Polizei im Kampf gegen Gewalt zu unterstützen. Zuvor hatte Präsident Thabo Mbeki dem Militär-Einsatz zugestimmt. Auch in Knysna, einem Badeort an der Südwestküste, wurden nach Angaben der Polizei vom Freitag zahlreiche somalische Geschäfte geplündert und angezündet.
Experten gehen inzwischen davon aus, dass Afrikas größte Wirtschaftsmacht durch die Übergriffe ernsthaft gefährdet ist. Die Tourismusindustrie ist besorgt, westliche Ausländer könnten Südafrika meiden. 2007 kamen 7,4 Millionen Touristen ins Land, 2010 sollen es zehn Millionen sein. Eine Million Südafrikaner verdienen ihren Lebensunterhalt durch Touristen und der Bereich trägt mit rund acht Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei. Reiseveranstalter berichten nun aber über Stornierungen verängstigter Kunden und mehrere Länder gaben Reisewarnungen aus. Das Auswärtige Amt erklärte, angesichts der massiven gewaltsamen Übergriffe werde gegenwärtig "dringend davon abgeraten, sich eigenständig oder im Rahmen von begleitenden Führungen in die betroffenen Gebiete zu begeben".
Der Cheforganisator der Fußball-WM 2010 in Südafrika, Danny Jordaan, forderte ein hartes Durchgreifen. Es müsse alles getan werden, um zu verhindern, das Vertriebene nochmals vertrieben würden. Er sei aber zuversichtlich, dass das Problem bald gelöst sei. "Südafrikaner sind nicht ausländerfeindlich."
Das Land mit seiner boomenden Wirtschaft zog bislang viele Afrikaner in der Hoffnung auf Arbeit magisch an. Zudem ist die Einwanderungs- und Asylpolitik eine der liberalsten auf dem Kontinent. Dieser Ruf ist nun in Gefahr. So sind in den letzten Tagen rund 13.000 Mosambikaner zurück in ihre Heimat geflohen. In Südafrika mit seinen 50 Millionen Einwohnern leben fünf Millionen Einwanderer, davon drei Millionen aus Simbabwe.
rbo/sws
Johannesburg, 22. Mai (Reuters) - In Südafrika haben sich Soldaten am Donnerstag darauf vorbereitet, zusammen mit der Polizei die Gewaltwelle gegen Einwanderer zu stoppen. Zuvor hatte Präsident Thabo Mbeki dem Militäreinsatz zugestimmt und damit gleichzeitig den Ernst der Lage unterstrichen.
Bei den seit mehr als einer Woche andauernden fremdenfeindlichen Angriffen hat es nach Polizeiangaben inzwischen 42 Tote gegeben. 16.000 Menschen seien aus den Vorstädten von Johannesburg vertrieben worden. Viele der verfolgten Ausländer - allen voran Flüchtlinge aus Simbabwe, Mosambik und Malawi - haben in Notunterkünften Schutz gesucht. Die Südafrikaner in den Elendsvierteln werfen den Einwanderern vor, ihnen Arbeit und Wohnraum wegzunehmen.
Unterdessen kritisierte der stellvertretende Vorsitzende der Regierungspartei ANC das zögerliche Eingreifen der Polizei. Dadurch seien die Gewalttäter ermutigt worden, sagte Kgalema Motlanthe. Die Übergriffe seien ein Anschlag auf die Werte der demokratischen Gesellschaft Südafrikas. "Wir sehen uns mit einem der hässlichsten Vorfälle seit dem Ende der Apartheid konfrontiert", sagte er. Motlanthe ist ein enger Verbündeter von ANC-Chef Jacob Zuma, der in einer Kampfabstimmung über die ANC-Führung Präsident Mbeki besiegt hatte und als künftiger Staatschef gilt.
akr/rbo
(Wiederholung vom Vorabend)
Johannesburg, 21. Mai (Reuters) - Südafrikas Regierung will die brutalen Übergriffe auf Ausländer in Johannesburg mit Hilfe der Armee stoppen. Einer entsprechenden Anfrage der Polizei stimmte Staatschef Thabo Mbeki am Mittwoch zu, wie das Präsidialamt mitteilte. Eine Polizeisprecherin sagte, die Armee werde die Sicherheitskräfte sowohl mit Truppen als auch mit Geräten bei bestimmten Einsätzen unterstützen.
Bei den seit mehr als einer Woche andauernden fremdenfeindlichen Angriffen hat es nach Polizeiangaben inzwischen 42 Tote gegeben. 16.000 Menschen seien aus den Townships von Johannesburg vertrieben worden, hieß es weiter. Viele der verfolgten Ausländer - allen voran Flüchtlinge aus Simbabwe, Mosambik und Malawi - haben in Notunterkünften Schutz gesucht. Die Südafrikaner in den Elendsvierteln werfen den Einwanderern vor, ihnen Arbeit und Wohnraum wegzunehmen.
Am Mittwoch war die Lage an den Brennpunkten der Gewalt ruhiger als an den Tagen zuvor. In den Gegenden im Osten Johannesburgs patrouillierte die Polizei mit gepanzerten Fahrzeugen. Regierungsvertreter äußerten den Verdacht, dass die Gewalt nicht spontan ausgebrochen, sondern womöglich aus politischen Motiven heraus gezielt angezettelt worden sei.
dry/kat
Johannesburg, 21. Mai (Reuters) - Südafrikas Regierung will die brutalen Übergriffe auf Ausländer in Johannesburg mit Hilfe der Armee stoppen. Einer entsprechenden Anfrage der Polizei stimmte Staatschef Thabo Mbeki am Mittwoch zu, wie das Präsidialamt mitteilte. Eine Polizeisprecherin sagte, die Armee werde die Sicherheitskräfte sowohl mit Truppen als auch mit Geräten bei bestimmten Einsätzen unterstützen.
Bei den seit mehr als einer Woche andauernden fremdenfeindlichen Angriffen hat es nach Polizeiangaben inzwischen 42 Tote gegeben. 16.000 Menschen seien aus den Townships von Johannesburg vertrieben worden, hieß es weiter. Viele der verfolgten Ausländer - allen voran Flüchtlinge aus Simbabwe, Mosambik und Malawi - haben in Notunterkünften Schutz gesucht. Die Südafrikaner in den Elendsvierteln werfen den Einwanderern vor, ihnen Arbeit und Wohnraum wegzunehmen.
Am Mittwoch war die Lage an den Brennpunkten der Gewalt ruhiger als an den Tagen zuvor. In den Gegenden im Osten Johannesburgs patrouillierte die Polizei mit gepanzerten Fahrzeugen. Regierungsvertreter äußerten den Verdacht, dass die Gewalt nicht spontan ausgebrochen, sondern womöglich aus politischen Motiven heraus gezielt angezettelt worden sei.
dry/kat
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