(neu: US-Daten)
Frankfurt, 15. Mai (Reuters) - Am europäischen Rentenmarkt hat der Bund-Future am Donnerstag nach Veröffentlichung schwacher US-Konjunkturdaten seine herben Verluste teilweise wieder wettgemacht. Unerwartet gute Wirtschaftsdaten aus Deutschland hatten den Bund-Future<FGBLc1> zuvor um bis zu 91 Ticks auf ein neues Jahrestief von 112,81 Zählern gedrückt. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im ersten Quartal so kräftig wie seit fast zwölf Jahren nicht mehr.
Ein stärkeres Wirtschaftswachstum sorgt in der Regel für steigenden Inflationsdruck. "Der Hauptgrund für die Kursverluste bei den Staatsanleihen ist die wachsende Furcht vor Inflation", sagte Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Der Realzinsertrag von Anleiheanlegern vermindert sich bei steigender Teuerung.
Sartoris zufolge hält der Markt angesichts der robusten Daten Zinssenkungen in der Euro-Zone derzeit für unwahrscheinlich. "Einige Marktteilnehmer gehen nun eher davon aus, dass die EZB tendenziell die Zinsen erhöhen muss", sagte Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba. Bundesbank-Chef Axel Weber erteilte Spekulationen über Zinssenkungen erneut mit deutlichen Worten eine Absage und bezeichnete eine Erhöhung als Option.
Am Nachmittag sorgten schwache Wirtschaftsdaten aus den USA für eine kleine Erholung bei den Staatsanleihen. Die Industrieproduktion in den USA sank im April stärker als erwartet. "Die Zinserhöhungserwartungen für die US-Notenbank sollten gedämpft werden", urteilte Wortberg.
Am Nachmittag lag der Bund-Future noch 37 Ticks tiefer bei 113,35 Zählern. Die zehnjährige Bundesanleihe<EU10YT=RR> rentierte mit 4,209 Prozent. Der Rex-Rentenindex<.GREX> verlor 0,7 Prozent auf 116,65 Zähler. Die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen<ESZB/BBK06> lag bei 4,32 (4,23) Prozent.
EURO NUR ZEITWEISE VON GUTEN BIP-DATEN BEFLÜGELT
Dem Euro<EUR=> halfen die unerwartet guten deutschen Wirtschaftsdaten nur zeitweise über die Marke von 1,55 Dollar. Händlern zufolge verlief das Geschäft eher ruhig. Der Euro sei immer noch in einer Spanne zwischen 1,53 und 1,55 Dollar gefangen, sagte ein Marktteilnehmer. Zuletzt lag der Kurs bei 1,5470 Dollar. Den Referenzkurs legte die Europäische Zentralbank (EZB) mit 1,5474 (Vortag: 1,5439) Dollar fest.
leh/mer
((Anika Lehmann<Redaktion Frankfurt +49 69 7565 1246, E-Mail: anika.lehmann@reuters.com, Reuters Messaging: anika.lehmann.reuters.com@reuters.net>))
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<ESZB/BBK> Bundesbank, eigene Seiten
Bochum/Berlin, 15. Mai (Reuters) - Der Dalai Lama hat zum Auftakt seines Deutschland-Besuchs die Forderung der Tibeter nach mehr Autonomie erneuert und China zu konstruktiven Gesprächen aufgerufen. Tibet wolle sich keineswegs von China lösen und völlig unabhängig werden, betonte das religiöse Oberhaupt der Tibeter am Donnerstag zu Beginn seines fünftägigen Deutschland-Besuch. Voraussetzung für die Beilegung des Konflikts sei aber vor allem gegenseitiges Vertrauen. "Das fehlt", sagte der 72-Jährige. Der Friedensnobelpreisträger, der im indischen Exil lebt, dringt auf ein Autonomie-Statut mit mehr kulturellen und religiösen Freiheiten für Tibet.
Der Dalai Lama traf auf seiner zweiten Deutschland-Tour mehrere CDU-Politiker. Die Regierungschefs von Hessen und Nordrhein-Westfalen, Roland Koch und Jürgen Rüttgers, appellierten nach den Gesprächen in Frankfurt und Bochum an China. Die Anfang Mai wieder begonnenen Gespräche seien eine große Chance, sagte Rüttgers. Wenn China sich nicht bewege, würden die Olympischen Spiele im Sommer in Peking von Diskussionen über die Autonomie für Tibet und die Achtung der Menschenrechte dominiert, sagte Koch. Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte, Tibet habe sich zu einer sehr grundsätzlichen Frage entwickelt. Der Anspruch, die Menschenrechte zu gewährleisten, sei dort genauso gerechtfertigt wie anderswo.
Laut ZDF kündigte der Dalai Lama an, im kommenden Monat würden seine Unterhändler mit Vertretern der chinesischen Führung erneut zu Gesprächen zusammenkommen.
China war im März nach der blutigen Niederschlagung von Demonstrationen in Tibet in die Kritik geraten. "Die weltweit zum Ausdruck gebrachte Besorgnis ist sehr hilfreich", sagte der Dalai Lama. Er bedauerte, dass der Empfang bei Kanzlerin Angela Merkel während seiner ersten Visite im September diplomatische Spannungen zu China ausgelöst hatte.
CHINA PROTESTIERT GEGEN EMPFANG DURCH WIECZOREK-ZEUL
Nach Auftritten in Nordrhein-Westfalen und Bayern ist am Montag im Hotel Adlon in Berlin ein Treffen mit Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul geplant. Die chinesische Botschaft hat gegen das erst am Mittwoch angekündigte Vorhaben umgehend beim Auswärtigen Amt protestiert. China wirft dem Dalai Lama vor, er betreibe die Loslösung Tibets von China.
Beim Auswärtigen Amt hieß es lediglich, die Botschaft sei mit ihrer bereits öffentlich geäußerten Kritik auch an das Auswärtige Amt herangetreten. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte ein Treffen mit dem Mönch erneut abgelehnt. Er hatte seinerzeit den Empfang durch die Kanzlerin als "Schaufensterpolitik" kritisiert. Merkel ist während des Besuchs auf Lateinamerika-Reise.
SPD-KRITIK AN MINISTERIN
Ministerin Wieczorek-Zeul stößt wegen des Treffens mit dem Dalai Lama auch in ihrer eigenen Partei auf Kritik. Der SPD-Verteidigungsexperte Jörn Thießen sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", er halte das Treffen für "einen schweren Fehler der deutschen Außenpolitik". SPD-Fraktionsvize Walter Kolbow sagte derselben Zeitung, der Empfang des Dalai Lama durch Wieczorek-Zeul könne von China als Affront gesehen werden. Das Vorgehen sei weder mit der SPD noch mit Steinmeier abgesprochen.
amr/inv/seh
Frankfurt, 15. Mai (Reuters) - Am europäischen Rentenmarkt ist der Bund-Future am Donnerstag auf ein neues Jahrestief gefallen. Der Kontrakt<FGBLc1> setzte seine Talfahrt des Vortages fort und sank um bis zu 91 Ticks auf 112,81 Zähler. Händlern zufolge sorgten unerwartet gute Wirtschaftsdaten aus Deutschland für den Einbruch. Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal um 1,5 Prozent zu und war damit so kräftig gewachsen wie seit fast zwölf Jahren nicht mehr. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit 0,7 Prozent gerechnet<ECONDE>.
Ein stärkes Wirtschaftswachstum sorgt aber auch für eher steigenden Inflationsdruck. "Der Hauptgrund für die Kursverluste bei den Staatsanleihen ist die wachsende Furcht vor Inflation", begründete Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Der Realzinsertrag von Anleiheanlegern vermindert sich bei steigender Teuerung.
Hinzu komme, dass der Markt angesichts der robusten Daten Zinssenkungen derzeit für unwahrscheinlich hält. "Einige Marktteilnehmer gehen nun eher davon aus, dass die EZB tendentiell die Zinsen erhöhen muss", sagte Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba. Der Bund-Future werde auch von technischen Faktoren belastet fügte er hinzu. Gegen Mittag notierte der Bund-Future 70 Ticks tiefer bei 113 Zählern. Die zehnjährige Bundesanleihe<EU10YT=RR> rentierte mit 4,247 Prozent.
EURO ZEITWEISE VON GUTEN BIP-DATEN BEFLÜGELT
Dem Euro<EUR=> halfen die unerwartet guten deutschen Wirtschaftsdaten zeitweise über die Marke von 1,55 Dollar. Händlern zufolge wurde die Gemeinschaftswährung auch von technischen Faktoren getrieben. "Fast gleichzeitig sind automatisch generierte Euro-Käufe ausgelöst worden", sagte ein Experte. Der Euro kletterte bis auf 1,5541 Dollar von knapp unter 1,55 Dollar kurz vor Veröffentlichung der Daten. Gegen Mittag verlor die Aufwärtsbewegung aber an Schwung, was Marktteilnehmer mit Gewinnmitnahmen begründeten. Der Euro lag zuletzt bei 1,5497 Dollar.
Aus den USA stehen am Nachmittag unter anderem die Statistiken zum Netto-Kapitalfluss und zur Industrieproduktion an. Zudem wird um 16.00 Uhr MESZ der Konjunkturindex der Fed von Philadelphia veröffentlicht.
leh/zap
((Anika Lehmann<Redaktion Frankfurt +49 69 7565 1246, E-Mail: anika.lehmann@reuters.com, Reuters Messaging: anika.lehmann.reuters.com@reuters.net>))
Frankfurt, 15. Mai (Reuters) - Der Dalai Lama hat zum Auftakt seines Deutschland-Besuchs die Forderung der Tibeter nach mehr Autonomie erneuert und China zu konstruktiven Gesprächen aufgerufen. Tibet wolle sich keineswegs von China lösen und völlig unabhängig werden, betonte das religiöse Oberhaupt der Tibeter am Donnerstag zu Beginn seines fünftägigen Deutschland-Besuch in Frankfurt. Voraussetzung für eine Beilegung des Konflikts sei aber vor allem gegenseitiges Vertrauen. "Das fehlt", sagte der 72-Jährige.
Der Friedensnobelpreisträger traf sich zunächst mit Hessens Ministerpräsident Roland Koch, für den Mittag ist ein Treffen mit Nordrhein-Westfalens Regierungschef Jürgen Rüttgers geplant.
Zum Abschluss seines Besuches kommt der Dalai Lama auch mit Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul zusammen. Die chinesische Botschaft in Berlin hat offiziell dagegen protestiert. "Der Dalai Lama ist ein politischer Querulant, der seit langem separatistische Aktivitäten betreibt", sagte ein Botschafts-Sprecher. Ein Treffen seitens der Bundesregierung wäre daher ein falsches Signal.
Nach einer Begegnung mit Kanzlerin Angela Merkel im Bundeskanzleramt im Herbst hatte China empört reagiert und mehrere politische Gespräche abgesagt. Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der Merkels Vorgehen seinerzeit als "Schaufensterpolitik" kritisiert hatte, lehnte auch jetzt mit Blick auf die Beziehungen zu China ein Gespräch mit dem Dalai Lama ab.
SPD-KRITIK AN TREFFEN VON WIECZOREK-ZEUL MIT DALAI LAMA
Ministerin Wieczorek-Zeul stößt wegen des Treffens mit dem Dalai Lama auch in ihrer eigenen Partei auf Kritik. Der SPD-Verteidigungsexperte Jörn Thießen sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", er halte das Treffen für "einen schweren Fehler der deutschen Außenpolitik". SPD-Fraktionsvize Walter Kolbow sagte derselben Zeitung, der Empfang des Dalai Lama durch Wieczorek-Zeul könne von China als Affront gesehen werden. "Wir haben eine China- Politik des Außenministers, die sich an langen Linien orientiert und die Stabilität Chinas im Auge hat", sagte der Politiker, der sich derzeit zu Gesprächen in Peking aufhält.
amr/ker
Frankfurt, 15. Mai (Reuters) - Unerwartet gute deutsche BIP-Zahlen haben am Donnerstag den Euro<EUR=> über 1,55 Dollar getrieben. "Dazu kamen technische Faktoren", sagte ein Händler. "Fast gleichzeitig sind automatisch generierte Euro-Käufe ausgelöst worden." Der Euro kletterte bis auf 1,5541 Dollar von 1,5495 Dollar kurz vor Veröffentlichung der Daten. Das Statistische Bundesamt hatte am Morgen einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal von 1,5 Prozent gemeldet. Von Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit 0,7 Prozent gerechnet<ECONDE>. Zinssenkungen in der Euro-Zone seien damit wieder unwahrscheinlicher geworden, sagten Händler.
Der Bund-Future<FGBLc1> verlor 33 Ticks auf 113,39 Punkte.
Aus den USA stehen am Nachmittag unter anderem die Statistiken zum Netto-Kapitalfluss und zur Industrieproduktion an. Zudem wird um 16.00 Uhr MESZ der Konjunkturindex der Fed von Philadelphia veröffentlicht.
ale/brn
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