Washington, 09. Mai (Reuters) - Angesichts der konjunkturellen Abkühlung haben die USA ihr Außenhandelsdefizit im März unerwartet kräftig abgebaut. Der Fehlbetrag fiel um 5,7 Prozent auf 58,2 Milliarden Dollar, wie das US-Wirtschaftsministerium am Freitag mitteilte. Im Februar betrug das Defizit revidierten Zahlen zufolge 61,7 Milliarden Dollar. Analysten hatten für den März im Schnitt mit 61,30 Milliarden Dollar gerechnet.
Die Importe verringerten sich um 2,9 Prozent auf 206,7 Milliarden Dollar. Dies ist der stärkste Rückgang seit Ende 2001 - wenige Monate nachdem die USA von den Anschlägen des 11. September erschüttert worden waren. Ausdruck der konjunkturellen Abkühlung in den USA ist insbesondere die geringere Nachfrage nach wichtigen Importgütern bei Verbrauchern aber auch in der Industrie: Dies ist etwa an den rückläufigen Bestellungen für ausländische Autos und Industriegüter abzulesen. Im Vormonat waren die Einfuhren noch um 2,6 Prozent gestiegen.
Die Exporte verringerten sich im März hingegen nur um 1,7 Prozent auf 148,5 Milliarden Dollar. Im Februar hatten sie um 1,8 Prozent angezogen.
Der Fehlbetrag in der US-Handels- und Leistungsbilanz wird an den Märkten mit großer Aufmerksamkeit beobachtet. Zur Finanzierung des Fehlbetrags benötigen die USA massive Kapitalzuflüsse aus dem Ausland. Bleiben diese aus, droht eine Dollar-Abwertung mit entsprechenden Auswirkungen für die Weltwirtschaft.
Im Blick der Märkte steht besonders das US-Handelsdefizit mit China. Dieses fiel im März auf 16,08 Milliarden Dollar. Die USA werfen China vor, sich mit einem künstlich niedrig gehaltenen Yuan-Wechselkurs unfaire Vorteile am Weltmarkt zu sichern. Das US-Handelsdefizit mit der EU stieg hingegen auf 7,49 Milliarden Dollar.
bek/amc
Washington, 09. Mai (Reuters) - Das US-Handelsministerium
hat am Freitag für den Handel mit Waren und Dienstleistungen im
März folgende auf der Zahlungsbilanz beruhende Daten
veröffentlicht (alle Angaben in Milliarden Dollar):
MÄR 2008 FEB 2008
Bilanz im Handel mit Waren
und Dienstleistungen - 58,21 - 61,71
(rev. v. - 62,32)
Export 148,51 151,10
(rev. v. 151,36)
Import 206,72 212,82
(rev. v. 213,68)
Handelsbilanz mit EU - 7,49 - 6,87
Handelsbilanz mit China - 16,08 - 18,36
Handelsbilanz mit Japan - 7,49 - 6,88
ANMERKUNG: Von Reuters befragte Volkswirte hatten für den
Berichtsmonat ein Außenhandelsdefizit von 61,30 Milliarden
Dollar prognostiziert.
amc/bek
Berlin, 09. Mai (Reuters) - Der Dalai Lama hat China die Bereitschaft zur Verständigung mit den Tibetern bescheinigt. Bei den Gesprächen seiner Abgesandten mit der Regierung in Peking zu Wochenbeginn hätten beide Seiten ihr Interesse gezeigt, "eine gemeinsame Vorgehensweise zu erreichen". Dabei handle es sich nicht um abstrakte Willensbekundungen, sagte das Oberhaupt der Tibeter laut einem am Freitag veröffentlichten Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel". Vielmehr habe es "konkrete Vorschläge" für die fest vereinbarte nächste Gesprächsrunde gegeben. Die Atmosphäre der bisherigen Unterredungen bezeichnete er als "nicht aggressiv, sondern respektvoll".
Dass es nach den Unruhen in Tibet im März überhaupt zu den Kontakten kam, führte der im indischen Exil lebende Dalai Lama auf den internationalen Druck sowie die Sorge Chinas um die Olympischen Spiele in Peking im Sommer zurück. "Ich kann nur jede freie Gesellschaft, gerade auch Deutschland, ermutigen, diesen Druck weiter aufrechtzuerhalten", fügte er hinzu. Die Regierung in Peking rief er auf, Belege für ihre wiederholten Vorwürfe zu präsentieren, dass er hinter den Unruhen stecke. Andernfalls solle sie einen Verständigungskurs einschlagen.
Der Dalai Lama wird Ende der kommenden Woche zu einem mehrtätigen Besuch in Deutschland erwartet.
dry/chr
Neu-Delhi, 09. Mai (Reuters) - Die Preisschübe bei Rohstoffen und Lebensmitteln haben die Teuerung in Indien auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren getrieben. Ende April stiegen die in dem Schwellenland stark beachteten Großhandelspreise zum Vorjahr um 7,6 Prozent, wie die Regierung am Freitag mitteilte. Neben Preissteigerungen bei Lebensmitteln schlägt insbesondere der immer teurere Stahl voll durch: Nach Angaben des Finanzministeriums machen die Preisanstiege bei Stahl- und Stahlerzeugnissen rund ein Fünftel der Teuerung aus. Wegen der Kostenexplosion bei Kokskohle und Eisenerz hatten die indischen Stahlkonzerne ihre Preise kräftig anheben müssen.
Auf Druck der Regierung verpflichteten sie sich am Mittwoch, die Preise vorerst um fünf bis zehn Prozent zu kürzen und für mindestens drei Monate auf diesem Niveau einzufrieren. Dennoch geben Experte vorerst keine Entwarnung an der Inflationsfront: "Da der Ölpreishöhenflug anhält, erwarten wir auch in den nächsten Wochen nicht, dass die Teuerung bei den Erzeugerpreisen unter sieben Prozent fällt", sagte Sonal Varma von Lehman Brothers in Bombay. Der Großhandelspreisindex wird in Indien wöchentlich erhoben und umfasst einen größeren Warenkorb als der weniger stark beachtete Verbraucherpreisindex.
bek/amc
- von Kathrin Schich -
München, 08. Mai (Reuters) - Der Sportausrüster und Olympia-Sponsor Adidas<ADSG.DE> muss trotz glänzend laufender Geschäfte heftige Kritik von Kleinaktionären einstecken. Getreu dem Firmen-Motto "Impossible is Nothing" ("Unmöglich ist nichts") müsse sich der Konzern viel stärker dafür einsetzen, dass auch in Entwicklungs- und Schwellenländern Mindeststandards bei der Entlohnung und im Umweltschutz eingehalten werden, forderte eine Reihe von Kleinaktionären auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Fürth. Drei Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking bemängelten sie vor allem, Adidas habe zur umstrittenen Tibet-Politik der chinesischen Regierung keine klare Position bezogen.
Konzernchef Herbert Hainer wies die Vorwürfe zurück: "Wir lassen uns nicht in moralische Haftung für einen Zustand nehmen, den wir weder herbeigeführt noch zu verantworten haben", sagte er bereits zu Beginn der Veranstaltung. Am Rande des Aktionärstreffens gab es friedliche Proteste einiger Sportler aus Tibet, denen sich auch Vertreter von Nichtregierungsorganisationen anschlossen.
Nach hartnäckigen Fragen der Kleinaktionäre, die ihrem Ärger mehrere Stunden lang Luft machten, betonte Hainer später: "Wir tun das, was wir am besten können - die Mitarbeiter vor Ort unterstützen." Bei der Auswahl der Fabriken und Partner achte das Management darauf, dass Mindestlöhne gezahlt werden, und ziehe gegebenenfalls auch Konsequenzen. Einen Imageschaden für Adidas in Folge des Olympia-Engagements könne er derzeit nicht erkennen, für die kommenden Monate aber auch nicht ausschließen, sagte Hainer. Zuletzt war der traditionelle olympische Fackellauf mehrfach von Anti-China-Demonstranten gestörten worden.
FUSSBALL-DOMINANZ IST "FRAGE DER EHRE"
Der Konzern aus dem fränkischen Herzogenaurach hatte in dieser Woche für das Auftaktquartal einen überraschend starken Gewinnsprung ausgewiesen und peilt für das Gesamtjahr - das auch im Zeichen der Fußball-EM steht - neue Rekorde bei Ergebnis und Umsatz an. Hainer unterstrich, dass das Unternehmen die Konkurrenz vor allem im Fußballgeschäft abhängen wolle. "Das ist für uns auch eine Frage der Ehre." Adidas, unter anderem Ausrüster der deutschen und französischen Nationalmannschaft, verkörpere den Fußball wie kein anderes Unternehmen.
Mit Blick auf die 2006 gekaufte und noch immer schwächelnde US-Tochter Reebok sagte Hainer, das Unternehmen bereue den Kauf nicht und würde es genau so wieder machen. Durch die Übernahme seien die Chancen gestiegen, auf dem Weltmarkt zu wachsen. Die Marke Adidas sei zudem in den USA gestärkt worden.
kat/chk/mer
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