Im Anschluss der Theorie von Dow begründete Neill (1954) das Prinzip der so genannten "Contrary Opinion".
Das System beruht auf der Idee, dass, wenn alle Investoren gleichzeitig ein und dieselbe Meinung vertreten, sich diese Meinung wohl kaum auf praktische Gegebenheiten auswirkt. Wenn nämlich alle Investoren optimistisch sind, bleibt die Frage, wer eigentlich noch kaufen will.
Zwar kann ein solcher Ansatz extrem systematisch und riskant erscheinen, doch ergibt er sich zwangsläufig aus der logischen Argumentation von Dow.
Tatsächlich entspricht die zweite Phase in Dows Theorie einem Zeitraum großen Vertrauens in das Wertpapier, was eine steigende Anzahl Investoren zu dessen Kauf verleitet. Infolge dessen haben sich zu Beginn der dritten Phase alle dem Papier gegenüber positiv eingestellten Investoren bereits zum Kauf positioniert, während die ersten "Aggressiven" sich von ihren Wertpapieren trennen. Bleibt die Frage, wer nun die Käufer sein werden, durch deren Hilfe das Wertpapier seine Hausse fortsetzt. Der Markt hätte in diesem Fall sogar eher die Tendenz zu einer Baisse, zumal die ersten Investoren ihre Wertpapiere veräußern.
Zur Einschätzung solch sensibler Marken greifen Investoren in erster Linie auf Umfragen über das Vertrauen professioneller Anleger zurück, denn ein besonders hohes Vertrauensniveau kann eine Überkauftsituation und damit den Vorboten einer erneuten Baisse anzeigen. Eine identische Situation kann natürlich auch in einer Baisse-Phase eintreten.


